Biografie
Die Fotografien von Julia Thalhofer (* 1987) widersetzen sich einer von den Möglichkeiten der Digitalfotografie geprägten Erwartungshaltung des Sehens, die die Qualität eines Bildes u. a. an seinen technischen Eigenschaften – hoher Auflösung bei größtmöglicher Schärfe – bemisst: Thalhofer arbeitet mit modernen Polaroidkameras und –fotomaterial, die nicht anders als ihre Vorgänger aus den 1970er Jahren nur in begrenztem Umfang eine Steuerung des Aufnahmevorgangs zulassen und damit jedem Bild zugleich den Status des Experimentellen zuweisen. Dies äußert sich in unkontrollierter Schärfentiefe als auch in „verwaschenen“ Farben, die sich aufgrund einer permanenten chemischen Reaktion mit der Zeit weiter verändern, wobei äußere Faktoren wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit eine wichtige Rolle spielen. Die von den Polaroids angefertigten Prints stellen somit Momentaufnahmen des Ephemeren dar, indem sie den unwiederholbaren, transitorischen Zustand des Originalbildes fixieren.
Dieser an sich rein technischen Vorgangsweise entspricht kongenial die Motivwelt der Künstlerin: Thalhofer erkundet vorzugsweise Orte der langsam untergehenden, traditionellen Kultur Asiens, wobei sie sich nicht auf hinlänglich bekannte touristische Sehenswürdigkeiten konzentriert, sondern auf völlig unspektakuläre Plätze und Szenerien, die noch die alte, von Ruhe erfüllte Lebensweise und Alltagskultur widerspiegeln. Entstanden sind Bilder, denen – auch bedingt durch die analoge Aufnahmetechnik – eine völlige Bewusstwerdung des Motivs zugrunde liegt, doch enthebt gerade die Charakteristik des Polaroidverfahrens diese Motive einer empirischen Erfahrbarkeit: So rücken das eigentümliche Farbverhalten, die stellenweise Unschärfe und die indifferenten Kontraste das Bild in die Sphäre des Irreal-Traumhaften, geben eine Interpretation dessen, wie diese andere Welt wahrgenommen werden könnte, als transzendierender Alternativentwurf zur entmythologisierten, durchdigitalisierten Gegenwart. Dass es aber auch in der näheren Umgebung derartige „Traumorte“ geben kann, beweisen zwei Bildstrecken, von denen eine den traditionellen Fahrgeschäften auf dem Münchner Oktoberfest huldigt, während die andere die Omnipräsenz der religiösen Volkskultur im ländlichen Polen thematisiert – beides an besondere Orte gebundene Seinszustände, die von Kommerz und Technisierungswahn eingeebnet zu werden drohen.
Mit ihrer zivilisationskritischen und dennoch intensiv lebensbejahenden, lyrischen Fotografie hat sich Julia Thalhofer bereits einen Namen gemacht, wie immer wiederkehrende Besprechungen ihrer Werke auf der SZ-Jugendseite bezeugen.
Curriculum Vitae
1987 | geboren in München |
2008–2009 | Teilnahme am Pilotprojekt zur beruflichen Orientierung IMAL (International Munich Art Lab) |
2009–2013 | Studium Fotodesign, Hochschule München; Bachelor |
2011 | Fotoassistenz bei Guido Pretzl, München; Sam Bisso, München; Nicolas Kantor, Berlin |
Fotoassistenz und Praktikum bei Sacha Tassilo Hoechstetter, München | |
2012 | Polaroid-Reise durch Thailand, Laos und Malaysia |
2013 | Polaroid-Reise durch Indien und Nepal |
Julia Thalhofer lebt und arbeitet in Inning am Ammersee, Lkr. Starnberg, Bayern | |
Ausstellungen (E = Einzelausstellung, G = Gruppenausstellung) |
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2015 | „possible“ (E), Ingo Seufert Galerie für Fotografie der Gegenwart, München |
2014 | „Aufgeschlossen“ (G), Farbenladen im Feierwerk, München |
2013 | „Einblick“ (G), Abschlussarbeiten der Design-Studiengänge, Hochschule München |
„Mein München“ (G), Farbenladen im Feierwerk, München | |
2012 | „PolskiBlues“ (E), Foto Augustin e. K., München |
„Asien“ (E), Foto Augustin e. K., München | |
2011 | „Schein&Heilig“ (G), Benefizevent, 8 Seasons, München |
„Facetten der Jugend“ (G), Subkultur e. V., alter Schlachthof, Fürstenfeldbruck | |
Bibliografie – Auswahl |
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2014 | Jenny Stern: „Aufgeschlossen“, jungeleute.sueddeutsche.de (28.4.2014) |
2013 | Marie Schoeß: „Julia Thalhofer: Oktoberfest“, sz-jugendseite.de (26.8.2013) |
Marie Schoeß: „Julia Thalhofer: Himmel über dem Westend“, sz-jugendseite.de (1.7.2013) | |
Marie Schoeß: „Abschluss im Quadrat“, sz-jugendseite.de (25.2.2013) | |
2012 | Marie Schoeß: „Julia Thalhofer: Bavaria“, sz-jugendseite.de (24.9.2012) |
Marie Schoeß: „Julia Thalhofer: Marienplatz“, sz-jugendseite.de (18.6.2012) | |
Marion: „Julia Thalhofer“, the-impossible.project.com (6.2012) | |
Marie Schoeß: „Rückkehr in eine alte Welt“, sz-jugendseite.de (4.6.2012) | |
Referenzen & People |
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Stilirium, Vincenz Lüps, Fabian Rupprecht, Missmango |
Julia Thalhofer
“’They didn ́t know that it was impossible, so they went ahead and did it.’ Dieser Satz von Mark Twain ist zu meinem Motto geworden, seit ich Ihn auf einer meiner Reisen durch Asien auf einem Schild am Straßenrand gelesen habe. Denn nichts ist unmöglich solange man an eine Sache glaubt und vertraut. Kurz davor habe ich begonnen mit Polaroids meine Reisen zu dokumentieren. Das Schöne am Polaroid ist, dass jedes ein Unikat ist. Eines, das den Moment in seiner einzigartigen Schönheit festhält. Es sind Unikate die vergehen, und nicht konserviert sind auf Ewig, da man nicht mit Sicherheit sagen kann wie lange das Bild auf dem Material bleibt. Aber das ist genau der Reiz der es für mich ausmacht. Alles ist vergänglich. Das sehe ich auch immer wieder auf meinen Reisen durch Asien, deshalb passt das Polaroid auch so gut dort hin. Ich habe Orte gefunden, die ursprünglicher und einfacher sind als die Welt in der wir leben. Ein Leben ohne Zeitdruck, ohne Perfektion, mit viel Menschlichkeit und Fehlern. Fehler sind etwas sehr Ästhetisches, sie machen die Dinge für mich perfekt. Ich will mit meinen Bildern in andere Welten entführen, den Betrachter zum träumen anregen. Meine fotografische Sicht ist malerisch geprägt, ich bin inspiriert von Malern wie Franz Marc, Wassily Kandinsky und Henri Matisse. Meine Blütenbilder sind stark geprägt von den Blüten-Malereien von Georgia O’Keeffe, die ich schon als Kind unglaublich inspirierend fand. Ein Polaroid kommt dem gemalten Bild sehr nah, es bildet nicht die Wirklichkeit ab, sondern entführt zum träumen, lässt Dinge offen, wirkt wie eine Skizze die noch fertig gedacht werden kann.
Mein fotografisches Arbeite beschränkt sich nicht auf Polaroids, ich fotografiere auch digital und mit anderen analogen Kameras, die digitale Technik nutze ich hauptsächlich um zu experimentieren, da so vieles möglich ist und ich offen bin für jedes Medium. Ich denke das ist auch sehr wichtig, offen bleiben und experimentieren, nur so kann man neues erschaffen und sich künstlerisch ausdrücken.“ (Julia Thalhofer)